Wie bleibt man unter Druck leistungsfähig, ohne dauerhaft unter Spannung zu stehen?
Diese Frage beschäftigt nicht nur den Spitzensport, sondern auch viele Menschen in anspruchsvollen beruflichen Rollen. Gerade selbstständige Beraterinnen und Berater in der Vermögensverwaltung und privaten Krankenversicherung bewegen sich täglich in einem Spannungsfeld aus Eigenverantwortung, Leistungsdruck und hoher Präsenz im Kundengespräch. Sie müssen Entscheidungen treffen, Vertrauen aufbauen, fokussiert bleiben und gleichzeitig mit Unsicherheit, Zielvorgaben und Belastung umgehen.
Genau an dieser Schnittstelle zwischen Leistung und Gesundheit durfte Dr. Tom Kossak im Rahmen eines Workshops mit Beraterinnen und Beratern der Allianz arbeiten. Unter dem Titel „Mentale Toolbox – Lernen aus dem Spitzensport“ stand die Frage im Mittelpunkt, was der Berufsalltag im Vertrieb von psychologischen Prinzipien aus dem Leistungssport lernen kann.
Leistung unter Druck ist kein reines Sportthema
Im Spitzensport gehört der Umgang mit Druck, Unsicherheit und hoher Erwartung längst zum Alltag. Athletinnen und Athleten trainieren nicht nur Technik, Taktik oder Kraft, sondern auch den Umgang mit Stress, die Regulation von Emotionen und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment fokussiert zu bleiben.
Ähnliche Anforderungen finden sich auch in vielen beruflichen Kontexten wieder – gerade dort, wo Menschen viel Verantwortung tragen, unter Beobachtung stehen oder in kurzer Zeit wichtige Entscheidungen treffen müssen.
Für Beraterinnen und Berater bedeutet das:
- präsent und klar im Kundengespräch zu bleiben,
- mit Unsicherheit und Zielvorgaben umzugehen,
- auch in fordernden Phasen handlungsfähig zu bleiben,
- und Leistung nicht nur kurzfristig, sondern langfristig gesund zu gestalten.
Das mentale Ei: Eine einfache Übung mit großer Wirkungm Austausch
Ein Highlight des Workshops war die Übung „Das mentale Ei“.
Die Aufgabe war zunächst simpel: Ein Ei wurde im Kreis geworfen – mit dem Ziel, es nicht fallen zu lassen. Doch genau darin lag der Reiz. Unter Zeitdruck, mit steigender Anspannung und im Zusammenspiel mit anderen wurde schnell sichtbar, wie eng Aufmerksamkeit, Kommunikation, Fokus und Selbstregulation miteinander verknüpft sind.
Solche Übungen machen mentale Prozesse greifbar. Sie zeigen nicht nur, ob Menschen unter Druck funktionieren, sondern auch wie sie reagieren:
- Wird die Aufmerksamkeit enger oder unruhiger?
- Wie verändert sich die Kommunikation?
- Was passiert mit der Körperspannung?
- Wie gut gelingt es, bei sich und gleichzeitig im Team zu bleiben?
Gerade weil die Aufgabe so einfach wirkt, wird schnell deutlich, wie stark Leistung von psychologischen Faktoren beeinflusst wird.
Leistung und Gesundheit gehören zusammen
Ein zentrales Learning des Workshops war deshalb: Leistung und Gesundheit sind keine Gegensätze.
Wer langfristig erfolgreich sein will, braucht nicht nur Aktivierung, Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft. Entscheidend ist auch die Fähigkeit, bewusst zwischen Spannung und Regeneration zu wechseln. Dauerhafte Hochanspannung mag kurzfristig leistungsfördernd wirken – langfristig erhöht sie jedoch das Risiko für Erschöpfung, Konzentrationsverlust und eine sinkende Belastbarkeit.
Aus sportpsychologischer Sicht geht es deshalb nicht darum, Druck vollständig zu vermeiden. Es geht darum, einen gesunden und wirksamen Umgang mit Druck zu entwickeln.
Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können
Der Workshop mit der Allianz hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll sportpsychologische Perspektiven auch außerhalb des Sports sein können. Themen wie Fokus, Stressregulation, Emotionsmanagement und gesunde Leistungsentwicklung sind nicht auf Wettkampfarenen beschränkt. Sie spielen überall dort eine Rolle, wo Menschen Verantwortung tragen und unter Druck gute Leistung erbringen sollen.
Spitzensport liefert dafür keine Patentrezepte – aber er bietet einen Erfahrungsraum, aus dem sich viel über Leistung, Belastung und mentale Stärke lernen lässt.
Unser Fazit
Mentale Stärke zeigt sich nicht nur darin, unter Druck zu funktionieren. Sie zeigt sich auch darin, die eigene Energie bewusst zu steuern, Belastung frühzeitig wahrzunehmen und zwischen Anspannung und Erholung flexibel zu wechseln.
Oder anders gesagt: Wer langfristig erfolgreich sein will, braucht mehr als nur Leistungsbereitschaft. Er oder sie braucht eine mentale Toolbox, die auch dann trägt, wenn es anspruchsvoll wird.
Vielen Dank an die Allianz für das Vertrauen und den offenen Austausch.