„Mein Mantra ist Spaß“ – Deutschlandfunk Sportgespräch mit Hannah Meul und Dr. Kai Engbert

Dr. Kai Engbert von Sportpsychologie München arbeitet mit Hannah Meul und dem Kletterteam des Deutschen Alpenvereins zusammen. Gerade beim Bouldern ist dabei das richtige mentale Setup entscheidend, um im Moment zu sein, selbstbewusst und konzentriert zu sein, und die richtige Mischung zwischen Anspannung und Nervosität zu finden. Dabei ist für jede Sportlerin und jeden Sportler die eigene Persönlichkeit der Ausgangspunkt, um in den Wettkampf zu gehen, erklärt Dr. Kai Engbert. Im Mentalen Training versucht er gemeinsam mit ihnen „noch ein paar Prozent rauszuholen“, es gehe nicht darum, ein Setup über alle zu stülpen.

Hannah Meul beschreibt sich selbst als „nervösen Typ“. Sie sagte: „Ich liebe Wettkämpfe und Adrenalin, aber früher bei Jugendwettkämpfen hatte ich ein großes Problem mit Nervosität in Finalsituationen.“ Es sei wichtig zu lernen, dies in den Griff zu bekommen und für sich selbst zu nutzen. Meul betonte: „Ich habe am meisten Angst, mich selber zu enttäuschen.“

Eine Methode, die sie nutze, sei es, sich ein Mantra auszuwählen, das so funktioniere, „dass ich mir etwas vorsage, wenn ich hinten sitze hinter der Wand, fünf Minuten vor dem nächsten Boulder.“ Für sie sei es dann wichtig, sich an positive Erlebnisse im Sport zu erinnern. Sie rufe sich dann ein Foto von sich selbst ins Gedächtnis, wo sie bei der Jugendolympiade 2018 strahlend den Moment an der Wand genieße. Dort wurde sie Vierte in der Kombination Bouldern, Lead und Speed, die in diesem Jahr auch olympisch ist. Meul sagte, ihr Mantra sei Spaß. „Spaß ist die Emotion, mit der ich am besten arbeiten kann.“

Dr. Kai Engbert im Deutschlandfunk Sportgespräch

Dr. Kai Engbert betonte, es sei eine Kombination aus kleinen Techniken, die es ermöglichten, den Wettkampf als etwas Positives zu erleben. Mit der Kombination aus Wörtern, Bildern und kleinen Ritualen werde eine positive Nervosität geschaffen, „die den Körper aktiviert, die inneren Ampeln auf Grün stellt“. Der reine Kampf gegen die Nervosität sei kontraproduktiv. Allgemein gelte, dass viele Menschen schwierige Situationen als Prüfungen sähen und misserfolgsängstlich seien, sagte Engbert. „Dann kommt negative Nervosität.“ Man solle sich hingegen vorher überlegen, was man erreichen möchte. Vor dem Heiratsantrag solle man sich z.B. auch überlegen, „wie fühlt es sich an, wenn sie ja sagt und nicht, was passiert, wenn sie nein sagt“.

Hannah Meul betonte, dass sie während des ersten Corona-Lockdowns sportlich motiviert gewesen sei wie fast noch nie und sich zu Hause mit Ringen neben dem Kühlschrank und einer Klimmzugstange in der Wohnung fit gehalten habe. Die Ziellosigkeit des vergangenen Jahres ohne große Wettkämpfe war laut Dr. Kai Engbert die größte Herausforderung für die Sportler. Das gelte für Nationalmannschaften wie für den Hockeyverein um die Ecke. Es sei positiv gewesen, wenn Trainer den Kontakt zur Gruppe gehalten hätten, durch Klimmzug-Challenges oder gemeinsames Dehnen über Videochats seien Kinder und Jugendliche kreativ zusammengehalten worden.

Die Olympischen Spiele in Japan werden möglicherweise ohne Zuschauer stattfinden. Daher sieht Dr. Engbert keinen Heimvorteil bei den japanischen Athletinnen und Athleten. Die japanische Nation erlebe sich sehr als Kollektiv, und somit laste der Druck des Kollektivs auf den Schultern der Sportler. Daher sei es eher ein Heimnachteil. Für die deutschen Kletterer sieht er einen Vorteil, da sie nicht im Fokus stünden und so aus der zweiten Reihe hervorragend Leistungen abrufen und gucken könnten, was herauskommt.

 

Online: