Hochleistung braucht Offenheit: Was die Lungenchirurgie über Feedback und mentale Gesundheit lehrt

Wie gelingt es Menschen, auch unter hohem Druck langfristig leistungsfähig zu bleiben?

Diese Frage beschäftigt nicht nur den Spitzensport, sondern auch die Medizin. Insbesondere in Fachbereichen wie der Lungenchirurgie treffen Teams täglich Entscheidungen mit hoher Verantwortung. Konzentration, Kommunikation und Teamarbeit sind dabei ebenso entscheidend wie fachliche Expertise.

Im Rahmen des 4. Round Tables für Fachkräfte aus der Lungenchirurgie in Hamburg durfte Dr. Tom Kossak einen Vortrag zum Thema mentale Gesundheit in der Chirurgie halten. Im Mittelpunkt standen psychologische Faktoren, die Menschen dabei unterstützen, auch unter hoher Belastung leistungsfähig und gesund zu bleiben.

Leistung unter Druck braucht mehr als Fachkompetenz

In vielen Hochleistungsumfeldern wird der Fokus verständlicherweise auf fachliche Fähigkeiten gelegt. Gleichzeitig zeigt die Forschung ebenso wie die Praxis, dass nachhaltige Leistung auch von psychologischen Faktoren abhängt.

Dazu gehören unter anderem:

  • der Umgang mit Stress und Emotionen,
  • die Fähigkeit zur Selbstregulation,
  • eine funktionierende Teamkommunikation,
  • sowie eine Kultur, die Lernen und Entwicklung ermöglicht.

Gerade dort, wo Entscheidungen schnell getroffen werden müssen und Fehler weitreichende Folgen haben können, wird deutlich, wie wichtig diese Faktoren sind.

Beeindruckende Offenheit im Austausch

Besonders bemerkenswert war die Atmosphäre während der Veranstaltung. Die Teilnehmenden diskutierten nicht nur Best-Practice-Beispiele, sondern sprachen auch offen über schwierige Verläufe, Herausforderungen und Situationen, die nicht optimal gelaufen waren.

Diese Offenheit ist keineswegs selbstverständlich.

In vielen Organisationen – unabhängig davon, ob im Sport, in Unternehmen oder in der Medizin – besteht die Gefahr, vor allem Erfolge sichtbar zu machen. Doch Lernen entsteht häufig genau dort, wo Menschen bereit sind, auch über Unsicherheiten, Fehler und schwierige Erfahrungen zu sprechen.

Warum Feedbackkultur so wichtig ist

Eine offene Feedbackkultur schafft die Grundlage für Weiterentwicklung

Sie ermöglicht:

  • gemeinsames Lernen,
  • frühzeitiges Erkennen von Problemen,
  • bessere Kommunikation im Team,
  • sowie einen konstruktiven Umgang mit Fehlern und Belastungen.

Aus sportpsychologischer Sicht spielt dabei insbesondere das Konzept der psychologischen Sicherheit eine wichtige Rolle. Menschen müssen das Gefühl haben, Herausforderungen oder Fehler ansprechen zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Nur dann entsteht ein Umfeld, in dem Lernen tatsächlich möglich wird.

Was Spitzensport und Medizin verbindet

Die Parallelen zwischen Spitzensport und Medizin sind größer, als viele zunächst vermuten.

Beide Bereiche sind geprägt von:

  • hohem Leistungsdruck,
  • komplexen Entscheidungen,
  • Verantwortung für andere Menschen,
  • Teamarbeit unter Belastung,
  • und dem Anspruch, dauerhaft Höchstleistungen zu erbringen.

Gerade deshalb können beide Bereiche voneinander lernen.

Während im Spitzensport Themen wie mentale Stärke, Stressmanagement und psychologische Betreuung inzwischen selbstverständlich geworden sind, gewinnen diese Aspekte auch in der Medizin zunehmend an Bedeutung.

Unser Fazit

Hochleistung entsteht nicht durch Fehlerfreiheit.

Hochleistung entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Erfahrungen zu reflektieren, voneinander zu lernen und offen miteinander zu kommunizieren.

Der 4. Round Table in Hamburg hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll eine Kultur des Austauschs sein kann – nicht nur für die individuelle Entwicklung, sondern auch für die Qualität der Zusammenarbeit und die langfristige Gesundheit der Beteiligten.

Ein besonderer Dank gilt Dr. Sönke von Weihe von der LungenClinic Grosshansdorf, Medtronic sowie allen Teilnehmenden für die spannenden Diskussionen und den offenen Austausch.

Beitrag teilen